Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.                        Heinrich Heine, 1844

Am 31.März lese ich in Spiegel Online die Überschrift: „Trotz Kurzarbeitergeld. Daimler will Aktionären höhere Ausschüttung zahlen“.

Mir platzt der Kragen. Die Corona-Krise vernichtet zahlreiche berufliche Existenzen. Menschen verlieren teilweise alles, was sie sich über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut haben – unverschuldet. Viele von ihnen treibt es in den Selbstmord.

Und auf der anderen Seite gibt es zynische Krisengewinnler, die säckeweise Geld scheffeln und den gierigen Hals nicht voll kriegen. Dabei ist Daimler nicht das einzige Beispiel – es steht pars pro toto. Von den Abgeordneten, die sich an dem Maskengeschäft bereichert haben – gleich, ob mit oder ohne kriminelle Vorgehensweise - ganz zu schweigen.

Was sind wir doch für eine moralisch verkümmerte Gesellschaft geworden. Wie lächerlich macht sich der Staat, der sich von Wirtschaft und Industrie nach Belieben vor sich her treiben läßt. Was haben wir für unfähige Politiker, die Gesetze oder Erlasse voller Schlupflöcher beschließen, die geradezu zum schamlosen Ausnutzen einladen.

Ich muß extrem an mich halten, um die Krisengewinnler einerseits und jene, die es ihnen handwerklich so außerordentlich leicht machen andererseits nicht dahingehend zu verwünschen, daß sie das bittere Schicksal der o.g. Opfer an sich selber erfahren. Vielleicht wäre es heilsam.

Ich lebe zwar in Schweden, aber „denk ich an Deutschland in der Nacht…“.